Ladakh liegt ganz im Norden Indiens, mitten im Himalaya – eine Hochgebirgsregion aus kargen Bergen, buddhistischen Klöstern, kleinen Dörfern und Seen auf mehr als 4.000 Metern. Die Landschaft ist spektakulär. Was meine Reise aber mindestens genauso besonders gemacht hat, waren die Unterkünfte.
Statt großer Hotels habe ich fast die komplette Route in Homestays verbracht. Und gerade in Ladakh würde ich euch genau das empfehlen. Viele Dörfer liegen weit auseinander, der Alltag ist stark von Landwirtschaft, Familie und Jahreszeiten geprägt – und in einem Homestay bekommt ihr davon deutlich mehr mit als in einer klassischen Unterkunft.
Mehr zur kompletten Route: Wenn ihr wissen möchtet, wie ich meine acht Tage aufgebaut habe, welche Stopps sich lohnen und was ihr zu Höhe, Fahrer, Permits und Reisezeit wissen solltet, findet ihr hier meinen ausführlichen Reisebericht: 8 Tage Ladakh – Rundreise, Route & Tipps

Warum ich Homestays in Ladakh so empfehlen kann
Ich glaube, ein Grund, warum ich Indien so gerne bereise, ist die riesige Auswahl an Homestays. Man schläft nicht nur irgendwo – man wird für ein oder zwei Tage Teil eines Haushalts.
Für mich haben Homestays auf einer Ladakh-Reise gleich mehrere Vorteile:
- Insider-Tipps direkt von Locals: kleine Klöster, Dorfspaziergänge, Workshops, Wanderungen oder Orte, die in keinem klassischen Reiseführer stehen.
- Authentisches Essen: In vielen Homestays sind Frühstück und Abendessen inklusive. Gekocht wird das, was die Familie selbst isst – oft mit Gemüse aus dem eigenen Garten.
- Gastfreundschaft: Ihr habt Ansprechpartner vor Ort, sitzt gemeinsam beim Tee oder Essen und bekommt einen ganz anderen Zugang zum Alltag in Ladakh.
- Besonders schön für Solo-Reisende: Man ist nicht automatisch allein. Gemeinsam kochen, spielen, spazieren gehen oder einfach abends zusammensitzen gehört oft ganz selbstverständlich dazu.
- Direkter lokaler Impact: Das Geld für die Übernachtung landet bei Familien und kleinen Dorfprojekten und schafft zusätzliches Einkommen in Regionen, in denen die Saison kurz ist.
Und keine Sorge: „Homestay“ bedeutet in Ladakh nicht automatisch sehr basic. Viele der Unterkünfte, in denen ich geschlafen habe, hatten große, saubere Zimmer, richtig bequeme Betten, Warmwasser und westliche Toiletten. Der Standard ist natürlich von Haus zu Haus unterschiedlich – aber insgesamt war ich wirklich positiv überrascht.
Thiksey Homestay: Perfekt zum Ankommen bei Leh

Meine ersten beiden Nächte in Ladakh habe ich im Thiksey Homestay verbracht – etwas außerhalb von Leh und für mich die perfekte Ausgangslage, um überhaupt erst einmal anzukommen. Leh liegt bereits auf rund 3.500 Metern. Nach dem Flug sollte deshalb nicht sofort die große Rundreise starten, sondern erst einmal Akklimatisierung.
Genau dafür ist das Homestay ideal: ruhig, gemütlich und mit einem großen Garten. Die Familie empfängt euch sehr herzlich, die beiden Töchter sprechen gut Englisch und man kommt schnell ins Gespräch. Eine der Töchter kocht außerdem wirklich hervorragend. Hier habe ich einige meiner liebsten ladakhischen Gerichte gegessen.
Ein Highlight ist der Momo-Workshop. Momos sind gefüllte Teigtaschen, die im gesamten Himalaya verbreitet sind und gedämpft oder manchmal gebraten serviert werden. Ihr lernt gemeinsam den Teig, die Füllung und vor allem das richtige Falten.
Und dann wäre da noch Buttertee, in Ladakh oft Gur-Gur Cha genannt: ein salziger Tee mit Butter, der traditionell besonders in der kalten Hochgebirgsregion getrunken wird. Er liefert Wärme und Energie und gehört fest zur lokalen Gastfreundschaft. Ich probiere wirklich gerne alles – aber Buttertee war auch für mich erstmal… gewöhnungsbedürftig. 😀
Besonders schön fand ich den Garten. In den Sommermonaten baut die Familie hier Obst und Gemüse an, das selbst gegessen und teilweise in Leh verkauft wird. Dazu gibt es ein paar Kühe, die ich morgens natürlich immer erst einmal begrüßen musste.







Aktivitäten rund ums Thiksey homestay:
- Momo-Kochkurs mit der Gastgeberfamilie
- Je nach Saison bei Garten- und Landwirtschaftsarbeiten mithelfen
- Shey Palace und Leh Palace besuchen
- Leh Old Town mit Cafés, Shops und Märkten erkunden
- In einem Nachbardorf mehr über Kaschmir-/Pashmina-Verarbeitung und lokale Fraueninitiativen erfahren
Meine Empfehlung: 2 Nächte – eine zum wirklichen Ankommen und Akklimatisieren, eine zweite für Leh und die Umgebung.
Preis: ca. 45 € pro Nacht inklusive Frühstück und Abendessen.
Nubra Homestay in Sumur: Mein Hidden Gem im Nubra Valley

Das Nubra Valley gehört zu den bekanntesten Regionen Ladakhs. Viele Reisende schlafen rund um Diskit oder Hunder. Ich würde euch aber einen kleinen Umweg nach Sumur empfehlen. Der Ort liegt ruhiger, ist deutlich weniger touristisch und war für mich einer der angenehmsten Stopps der gesamten Reise.
Das Nubra Homestay ist noch relativ neu und steht in einer unglaublichen Kulisse: rundherum viel Weite, im Hintergrund die Berge und direkt gegenüber ein großer Buddha-Park. Das Haus selbst ist fast komplett aus Holz. Besonders schön: Der Gastgeber hat über Jahre selbst daran gearbeitet und viele Elemente eigenhändig geschnitzt. Er ist ein richtig guter Handwerker – und genau daraus entsteht auch eine der besten Aktivitäten des Homestays: ein kleiner Holzschnitz-Workshop.
Die Familie ist eher ruhig und zurückhaltend, aber sehr herzlich. Morgens könnt ihr der Gastgeberin beim Brotbacken zuschauen oder mithelfen. Und egal ob aus dem Zimmer oder aus dem Wohnzimmer: Der Blick in die Berge ist wirklich schwer zu toppen.






Aktivitäten rund ums Nubra homestay:
- Holzschnitz-Workshop mit der Gastgeberfamilie
- Meditations-Session im Buddha-Park gegenüber
- Sumur Village und Samstanling Monastery erkunden
- Diskit Monastery und die große Maitreya-Buddha-Statue besuchen
- Mein Geheimtipp: die kleinen Sanddünen bei Sumur – viel ruhiger als die bekannten Dünen bei Hunder
- Kulturabend mit einer lokalen Fraueninitiative im Dorf
- Yarab Tso und die heißen Quellen von Panamik
Meine Empfehlung: 2 Nächte. Im Nubra Valley gibt es genug zu sehen, und Sumur lohnt sich gerade deshalb, weil man nicht nur kurz durchfährt.
Preis: ab ca. 41 € pro Nacht inklusive Frühstück und Abendessen.
Astrostays am Pangong Lake: Schlafen auf 4.300 Metern

Pangong Lake gehört zu den großen Sehenswürdigkeiten Ladakhs. Rund um den See liegen mehrere kleine Orte hintereinander. Astrostays befindet sich im Maan Village, weiter entlang des Südufers als die bekannteren Übernachtungsorte Lukung und Spangmik. Dadurch wirkt die Umgebung deutlich ruhiger.
Die Lage ist das große Highlight: Das Homestay liegt auf rund 4.300 Metern und vom Zimmer blickt ihr direkt auf die kargen Berge und den Pangong Lake. Das traditionelle Haus ist mehr als 100 Jahre alt und wurde für Gäste komfortabel angepasst. Frühstück und Abendessen werden gemeinsam gegessen – bei meinem Aufenthalt saßen wir abends anschließend noch zusammen und haben Karten gespielt.

Der See ist nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Mehr als spazieren, schauen, fotografieren und bei gutem Wetter picknicken braucht es hier eigentlich auch nicht. Pangong liegt in einer ökologisch sensiblen Hochgebirgsregion; auf indischer Seite ist Bootfahren aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Vom Baden würde ich allein wegen Wassertemperatur, Höhe und Natur-/Umweltschutz ebenfalls klar abraten.
Das eigentliche Extra von Astrostays beginnt nach Sonnenuntergang: Bei gutem Wetter bieten die Gastgeber Stargazing-Sessions mit einem großen Teleskop an. Sie zeigen Sterne und Planeten und verbinden astronomisches Wissen mit lokalen Geschichten. Ich hatte wettertechnisch leider nicht den perfekten Abend – aber die Bedingungen hier oben können bei klarem Himmel außergewöhnlich sein.
Meine Empfehlung: 1 Nacht reicht für Pangong meistens aus.
Preis: ab ca. 67 € pro Nacht inklusive Frühstück und Abendessen.
Hier buchen: Astrostays
Kungyam Homestay: Für authentisches Dorfleben

Kungyam ist kein klassischer Stopp einer Ladakh-Rundreise – und genau deshalb würde ich ihn mitnehmen. Das Dorf liegt in der Changthang-Region auf ungefähr 4.100 bis 4.200 Metern Höhe, weit entfernt vom Trubel in Leh. Wer wissen möchte, wie der Alltag in einem kleinen Hochgebirgsdorf aussieht, ist hier richtig.
Das Kungyam Homestay war wahrscheinlich die einfachste Unterkunft meiner Reise, aber gleichzeitig eine meiner liebsten. Abends sitzt die Familie gemeinsam im Wohnzimmer rund um den traditionellen Ofen, es wird gekocht, gegessen und erzählt. Eine der Töchter spricht etwas Englisch und freut sich, es mit Gästen zu üben.
Mit den beiden Töchtern bin ich durch das Dorf gelaufen, wir haben Gärten und Felder angeschaut, andere Familien besucht und immer wieder irgendwo Tee getrunken. Der kleine Familienhund war natürlich auch dabei. Genau hier merkt man den Unterschied zwischen „in einem Dorf schlafen“ und wirklich ein bisschen am Dorfleben teilnehmen.
Spannend ist außerdem eine junge Hirtin aus der Region, die gut Englisch spricht und über das heutige Nomaden- und Hirtenleben erzählt. Wer möchte, kann sie und ihre Ziegen ein Stück oder einen Tag begleiten. Gerade wenn euch Pashmina, Viehzucht und das Leben in Changthang interessieren, ist das ein sehr besonderer Einblick.




Aktivitäten rund ums Kungyam homestay:
- Kochkurs mit der Gastgeberfamilie
- Dorfspaziergang mit Besuchen bei Familien und Einblicken in die Landwirtschaft
- Halb- oder Tageswanderungen in die Berge
- Mit etwas Glück Yaks in der Umgebung sehen
- Eine lokale Hirtin und ihre Ziegen begleiten
Meine Empfehlung: 1–2 Nächte. Wenn ihr wandern oder wirklich einen ganzen Tag im Dorf verbringen möchtet, nehmt zwei.
Preis: ab ca. 43 € inklusive Frühstück und Abendessen.
Phyang Eco Residence: Ruhiger Abschluss nahe Leh


Phyang liegt nur rund 15 Kilometer von Leh entfernt und eignet sich deshalb perfekt als letzter Stopp einer Rundreise. Ihr seid schnell wieder in der Stadt oder am Flughafen, schlaft aber trotzdem in einer ruhigen dörflichen Umgebung.
Die Phyang Eco Residence hat mir besonders wegen ihrer Lage gefallen: Garten, Felder und ein weiter Blick in Richtung Himalaya. Das ist eine Unterkunft, in der man ohne schlechtes Gewissen auch einfach mal einen halben Tag auf dem Balkon oder im Garten sitzen, lesen und in die Berge schauen kann.
Die Gastgeberin ist für ihre Kräutertees bekannt. Sanddorn, Ingwer, grüner Tee, Kamille – gefühlt stand immer eine neue Kanne vor mir. Vieles stammt aus Pflanzen und Kräutern, die sie selbst anbaut oder sammelt. Auch ein Teil der Zutaten für die Mahlzeiten kommt aus dem eigenen Garten.
Abends solltet ihr unbedingt eine Stargazing-Session im CosmoHub einplanen. Das Projekt verbindet Astronomie, ladakhische Geschichten und lokale Einkommensmöglichkeiten. Frauen aus dem Dorf führen durch die Sessions, erklären Sterne und Planeten und verbinden moderne Teleskope mit lokalem Wissen und Erzählungen über den Nachthimmel.




Aktivitäten rund ums Phyang homestay:
- Phyang Monastery und Museum besuchen
- Stargazing im CosmoHub
- Dorf- und Garten-Spaziergänge
- Tagesausflug nach Leh
- Tagesausflug nach Likir und Alchi
Meine Empfehlung: 1–2 Nächte – besonders gut als ruhiger Abschluss vor dem Rückflug.
Preis: ab ca. 57 € pro Nacht inklusive Frühstück und Abendessen.
Hier buchen: Phyang Eco Residence
Likir Potter’s Homestay: Übernachten bei einer Töpferfamilie

Wenn euch traditionelles Handwerk interessiert, ist Likir ein richtig guter Zusatzstopp. Das Dorf ist für seine Töpfertradition bekannt – und Ladakh Likir Pottery wurde 2026 sogar als geografische Herkunftsbezeichnung (GI) registriert. Damit wird ein Handwerk sichtbar gemacht, das heute nur noch von wenigen Familien aktiv weitergeführt wird.
Im Likir Potter’s Homestay übernachtet ihr direkt bei einer dieser Familien. Das traditionelle ladakhische Lehmhaus ist einfach, gemütlich und genau passend zum Ort. Gegessen wird gemeinsam, viele Zutaten stammen aus dem Dorf oder dem eigenen Garten, und dank der Gewächshäuser gibt es während der Saison überraschend viel frisches Gemüse.
Das Highlight ist natürlich die Familienwerkstatt. Ihr könnt selbst an einem Töpfer-Workshop teilnehmen und ausprobieren, wie aus dem Ton die traditionellen Gefäße entstehen. Dabei geht es nicht nur ums Selbermachen: Der Gastgeber erzählt auch, wie sich das Handwerk verändert hat, warum es heute bedroht ist und weshalb die Weitergabe an die nächste Generation so wichtig ist.


Nur einen kurzen Spaziergang entfernt liegt das Likir Monastery mit seiner großen Maitreya-Buddha-Statue. Wer noch Zeit hat, kann Likir perfekt mit Alchi verbinden. Und mein kulinarischer Tipp bleibt: Mittagessen im Alchi Kitchen einplanen.
Aktivitäten rund ums Likir Potter’s homestay:
- Töpfer-Workshop mit der Gastgeberfamilie
- Zeichen-/Kreativ-Workshop je nach Angebot
- Village Walk und Einblicke in traditionelle Landwirtschaft
- Likir Monastery besuchen
- Ausflug zum Alchi Monastery
- Mittagessen im Alchi Kitchen
Meine Empfehlung: 1 Nacht, wenn ihr das Handwerk wirklich erleben möchtet.
Preis: ab ca. 57 € pro Nacht inklusive Frühstück und Abendessen.
Hier buchen: Likir Potter’s Homestay
Fazit: In Ladakh würde ich Homestays immer einem klassischen Hotel vorziehen
Natürlich gibt es in Leh und an den bekannten Sehenswürdigkeiten auch Hotels und Camps. Für mich waren die Homestays aber ein zentraler Teil dieser Reise. Sie haben aus einer spektakulären Landschaft eine Reise mit echten Begegnungen gemacht.
Ich habe gelernt, Momos zu falten, Buttertee zu probieren, beim Brotbacken zugeschaut, mit Familien in ihren Wohnzimmern gesessen, Sterne durch Teleskope gesehen, in Gärten geholfen und zum ersten Mal selbst getöpfert. Dazu kamen Informationen und Empfehlungen, die ich ohne die Gastgeber vermutlich nie bekommen hätte.
Wenn ihr Ladakh nicht nur sehen, sondern ein kleines bisschen verstehen möchtet, plant deshalb bewusst Übernachtungen in Dörfern ein. Gerade dort wird die Reise für mich am spannendsten.
Du möchtest Ladakh selbst erleben?
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