Kennst du diese Orte, bei denen du nach fünf Minuten merkst: Okay… das hier ist nicht einfach nur schön – das hier ist komplett unreal? Genau so war Rammang Rammang für mich. Ich stand zwischen sattgrünen Reisfeldern, während aus einer eigentlich flachen Landschaft plötzlich riesige Karst-Kalksteinfelsen in den Himmel schossen. Still, wuchtig, mystisch. Und dann diese Ruhe: kein Großstadtlärm, kein Dauerhupen wie in Makassar – nur das Rascheln der Palmen, das Plätschern des Wassers und hin und wieder ein Lachen aus einem Stelzenhaus.


Rammang Rammang liegt in Süd-Sulawesi, rund eine Stunde nördlich von Makassar, und wird oft als „Halong Bay von Indonesien“ bezeichnet. Der Vergleich passt – zumindest vom Look her: diese steil aufragenden Felsen, die wie Inseln wirken. Der entscheidende Unterschied: Du bist hier nicht im Meer, sondern im Inland, in einem Fluss- und Talgebiet, das sich zwischen Palmen, Reisfeldern und Kalksteinbergen ausbreitet. Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte ein Riese mitten in die Ebene ein ganzes Fels-Universum gestreut – und die Natur hätte dann einfach beschlossen, es besonders schön zu begrünen.
Rammang Rammang: Zwischen Karstlandschaft und Dorfleben
Rammang Rammang liegt in Süd-Sulawesi, genauer in der Region Maros und damit nur rund 60 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Makassar. Dadurch lässt sich der Ort perfekt als erster Natur-Stop nach der Ankunft in Makassar einbauen – entweder als Tagesausflug oder (meine klare Empfehlung) als ruhiger Zwischenhalt für 1–2 Nächte, bevor es weiter Richtung Norden in Sulawesi geht.
Das Besondere an Rammang Rammang ist die Lage mitten in der Maros–Pangkep-Karstlandschaft, einer der eindrucksvollsten Kalksteinregionen Indonesiens. Karst entsteht, wenn Kalkstein (Limestone) über sehr lange Zeit durch Wasser, Regen und chemische Verwitterung ausgewaschen wird. So bilden sich steile Felswände, Türme, Höhlen und unterirdische Systeme – genau diese dramatischen Formen, die hier wie „Inseln“ aus der Ebene ragen. Die Maros–Pangkep-Region ist so bedeutend, dass sie sogar auf Indonesiens UNESCO-Tentativliste als Karst- und Höhlengebiet steht.
Wenn man von „Karst Village“ spricht, ist damit meist ein Dorf gemeint, das direkt in dieser Kalksteinlandschaft liegt – also eingebettet zwischen Felsen, Reisfeldern und Flussarmen. Eines der bekanntesten Dörfer in der Gegend ist Kampung Berua, das du typischerweise per Boot erreichst. Die Menschen leben hier überwiegend von Landwirtschaft (vor allem Reis) und teilweise von Aktivitäten rund um den Fluss; Besucher bekommen einen sehr nahen Einblick in den Alltag, ohne dass es sich nach einer künstlichen „Touristenkulisse“ anfühlt.


Ein klassischer Teil des Erlebnisses ist die Fahrt über den Pute River (oft auch als „River Cruise“ beschrieben). Von der Anlegestelle aus geht es mit dem schmalen Boot durch ein Flusslabyrinth, vorbei an Palmen, Ufervegetation und immer wieder diesen steilen Karstwänden. Diese Bootsstrecke ist nicht nur „Transport“, sondern der Schlüssel, um tiefer ins Gebiet zu kommen – viele Bereiche wie Kampung Berua oder weitere Naturspots sind auf diesem Weg überhaupt erst sinnvoll erreichbar.
Anreise: Warum Rammang Rammang ein perfekter erster Stop nach Makassar ist
Für mich war Rammang Rammang nach Makassar quasi der erste richtig geplante Stop meiner Indonesien-Reise. Ich war im Juli 2025 unterwegs – Süd-Sulawesi und später weiter Richtung Sumatra – und ich wollte nach der Stadt erstmal raus in Natur und Dorfleben. Und genau dafür ist dieser Ort perfekt.
Du brauchst keine komplizierte Logistik. Von Makassar aus sind es ungefähr eine Stunde mit dem Auto. Das macht Rammang Rammang zu einem beliebten Tagesausflug – und ja, das geht. Viele machen genau das: morgens hin, mittags Boot, nachmittags zurück.
Mein Aufenthalt in Rammang Rammang im Juli 2025:
Ich bin mit dem Taxi hingefahren (von Makassar aus gebucht, ungefähr 15 €). Das war für mich die entspannteste Option, besonders weil ich nach der Ankunft in Indonesien erstmal ankommen wollte. Als ich in Rammang Rammang ankam, war mein erster Gedanke: Warum fühlt sich das hier an wie eine Filmkulisse?
Alles war so ruhig. Überall dieses satte Grün. Und diese Karstfelsen, die wie Wächter über dem Tal stehen. Das Licht war weich, die Luft warm – und die Zeit hat sich sofort langsamer angefühlt.


Viele Reisende kommen hierher, machen ihre Bootstour und sind wieder weg. Ich verstehe das, weil man in Indonesien oft sehr viel in kurzer Zeit sehen will. Aber ich kann aus tiefstem Herzen sagen: Wenn du Lust auf Natur, Abenteuer und echtes Dorfleben hast – und wenn du wirklich mal spüren willst, wie anders Indonesien außerhalb der großen touristischen Hotspots sein kann – dann plan mindestens eine Nacht ein. Besser zwei.
Nasrul’s Homestay: Mein Ausgangspunkt, um Rammang Rammang zu erkunden
Ich habe in Nasrul’s Homestay übernachtet und ich kann dir gar nicht genug sagen, wie sehr diese Entscheidung meinen Aufenthalt geprägt hat. Nasrul ist einer der engagiertesten, lustigsten und sympathischsten Hosts, die ich je auf Reisen kennengelernt habe.
Er hat das erste Homestay in diesem Karst Village aufgebaut und hilft inzwischen auch Nachbarn und Dorfbewohnern dabei, eigene Homestays zu starten. Und er setzt sich aktiv dafür ein, dass hier nicht plötzlich große Hotels aus dem Boden schießen und Massentourismus das Dorf verändert. Er hat mir erzählt, dass sie als Community sogar schon demonstriert haben – erfolgreich. Sein Wunsch ist, dass dieser Ort ursprünglich und magisch bleibt. Und dass Menschen, die hierherkommen, die Schönheit erleben, ohne dass die Landschaft dafür „umgebaut“ wird.


Das Homestay selbst ist einfach, aber super sauber und wirklich alles, was man braucht. Unten wohnt Nasrul mit seiner Familie (insgesamt sechs Personen), oben hat er ausgebaut: vier einfache Zimmer, ein großes Bett, Moskitonetz, Steckdosen, Ventilator. Es gibt zwei Gemeinschaftsbäder mit Toilette und Dusche und eine Gemeinschaftsterrasse, auf der man sich zu den Mahlzeiten trifft. Genau dort passiert das, was ich an solchen Orten liebe: Du lernst andere Reisende ganz automatisch kennen. Bei mir waren es später drei Franzosen, mit denen ich danach sogar weitergereist bin.
Wichtig zu wissen: Es gibt kein WLAN. Wenn du länger bleiben willst, besorg dir am besten schon in Makassar eine indonesische SIM-Karte.
Und das Essen? Ganz ehrlich: richtig, richtig lecker. Frühstück konnte ich wählen zwischen typisch indonesisch herzhaft oder Pancakes. Zum Lunch und Dinner gab es klassische indonesische Gerichte. Nasrul kümmert sich um alles: Mahlzeiten, Zimmer, Organisation, Touren. Und weil ständig Reisende aus verschiedenen Ländern bei ihm sind, spricht er mehrere Sprachen – vieles hat er sich einfach durch die Gäste selbst beigebracht.




Tag 1: Dorftour, Stelzenhäuser und „Jurassic Park“-Feeling
Am ersten Tag war ich nach meiner Ankunft noch allein im Homestay. Nasrul hat vorgeschlagen, eine Dorftour zu machen – ungefähr drei Stunden – und das war für mich der perfekte Einstieg. Denn so wurde Rammang Rammang nicht nur eine Landschaft, sondern ein Ort mit Gesichtern.
Er hat mir Dorfbewohner vorgestellt und gezeigt, wie Menschen hier leben. Sehr einfach, sehr reduziert. Teilweise leben acht bis zehn Personen in einem Haus. Vieles ist Selbstversorgung, vieles ist pragmatisch. Und gleichzeitig war da so viel Offenheit. Diese typische Neugier, die ich in Sulawesi oft gespürt habe: Man möchte wissen, wer du bist, woher du kommst, warum du hier bist. Und wenn du freundlich bist und lächelst, kommt so viel zurück.
Nasrul ist außerdem ein absoluter Pflanzen- und Tierexperte. Er hat mir gezeigt, was hier wächst, welche Pflanzen wofür genutzt werden, wo welche Tiere unterwegs sind. Bei Libellen war ich sofort dabei. Bei Spinnen… naja, da konnte ich seine Begeisterung nicht ganz teilen.
Und immer wieder diese Kulisse. Diese Karstfelsen. Ich weiß nicht, wie oft ich am ersten Tag dachte: Das sieht aus wie aus einem Bilderbuch. Es hatte wirklich etwas Mystisches, fast wie Jurassic Park – nur ohne T-Rex, dafür mit Reisfeldern und friedlicher Stille.


Tag 2: Höhle, Boot, Sonnenuntergang – und dann ein Naturspektakel, das ich nie vergesse
Am zweiten Tag kamen drei Franzosen an, und wir haben zusammen mit Nasrul eine Tagestour gemacht. Wir sind noch tiefer in eine andere Seite von Rammang Rammang gewandert. Unterwegs waren überall Ziegen, bunte Stelzenhäuser, kleine Szenen aus dem Dorfleben. Alles fühlte sich so authentisch an – nicht „für Touristen“, sondern einfach so, wie es ist.
Dann sind wir in eine Höhle geklettert, mit Stirnlampen. Das war richtig beeindruckend. Du spürst dort sofort, wie alt und mächtig diese Landschaft ist. Und wie klein man selbst darin wird – auf eine gute Art.Später kam die Bootsfahrt. Das Boot bringt dich in einen Part von Rammang Rammang, den du zu Fuß sonst gar nicht erreichst. Und wow – ich war davor schon begeistert, aber dieses Panorama hat mich wirklich sprachlos gemacht. Die Felsen wirken vom Wasser aus nochmal massiver, das Grün nochmal dichter, alles nochmal weiter.




Wir haben uns Zeit gelassen, haben ein sehr gutes Nasi Goreng gegessen und dann den Sonnenuntergang angeschaut. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Die Sonnenuntergänge in Rammang Rammang sind atemberaubend. Das ganze Dorf taucht in orangefarbenes Licht. Die Karstfelsen werden zu dunklen Silhouetten. Und du sitzt da und denkst: Allein dafür lohnt sich eine Übernachtung.
Auf dem Rückweg wurde es langsam dunkel. Mitten auf dem Wasser haben wir angehalten und uns ins Boot gelegt. Und dann kam das Naturspektakel, auf das Nasrul uns vorbereitet hatte: Irgendwann beginnen aus den Höhlen der Kalksteinfelsen Fledermäuse herauszuströmen – erst ein paar, dann immer mehr, dann unaufhörlich. Es sah wirklich aus wie Millionen. Eine endlose Bewegung am Himmel, ein lebendiger Strom, der nicht enden will. Sie kommen wohl abends immer zur gleichen Zeit raus, um dann nach Nahrung im dunkeln zu suchen.


Praktische Tipps für Rammang Rammang
- Plane mindestens 1 Nacht, besser 2 Nächte – für Sonnenuntergang, Morgenstimmung und Zeit ohne Hektik.
- Moskitospray ist Pflicht (wirklich).
- Besorg dir in Makassar eine SIM-Karte, wenn du bei Nasrul übernachtest (kein WLAN).
- Sei offen für die Leute vor Ort: Wenn du möchtest, lernst du so viel von ihrem Leben und Alltag kennen.
Nasrul’s Homestay kannst du übrigens auch hier bei Village Adventures buchen
Und falls du mich fragst, welcher Ort mich in Indonesien am meisten gecatcht hat: Rammang Rammang war ganz vorne dabei. Ein absoluter Geheimtipp – und einer, der sich besonders dann entfaltet, wenn du ihm Zeit gibst.
Mein persönliches Impact-Tracking:*
- Community stärken: 5/5
- Kulturelle Authentizität & Austausch: 5/5
- Hidden Secret: 4/5
- Gut für Umwelt & Natur: 4/5
* Mein persönliches Impact-Tracking: Damit bewerte ich, wie stark ein Projekt oder eine Unterkunft wirklich zum fairen Reisen beiträgt – aus meiner ganz persönlichen Sicht.
Die Kategorien im Überblick:
- Community stärken – Wie sehr profitieren lokale Gemeinschaften direkt von den Tourismus-Einnahmen und wie stark werden sie integriert?
- Kulturelle Authentizität & Austausch – Wie intensiv ist der echte Kontakt mit Einheimischen? Wie viel lernen wir von ihnen?
- Hidden Secret – Handelt es sich um einen besonderen, weniger bekannten Ort abseits der Touristenpfade?
- Gut für die Umwelt & Natur – Wird auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz geachtet?
Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1 bis 5:
1/5 = erfüllt das Kriterium kaum oder gar nicht
5/5 = erfüllt das Kriterium voll und ganz Der Tracker hilft dir einzuschätzen, welche Orte nicht nur schön, sondern auch sinnvoll zu bereisen sind.
